Unverzichtbar in der Hardwareentwicklung
Firma: INNEO Solutions GmbH
Themen: Produktentwicklung
Branche: Automobil & Luftfahrt, Elektro- & Automatisierungstechnik, Maschinenbau, Medizintechnik
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Bericht herunterladen ZurückRückrufaktionen wie der Takata-Airbagskandal zeigen, wie weitreichend die Folgen sein können, wenn Anforderungen nicht vollständig erfasst oder dokumentiert werden. ALM-Systeme reduzieren das Risiko.
Es ist eine jener Geschichten, die man sich in Vorlesungen erzählt, wenn der Stoff trocken ist und ein wenig Leben in die Theorie gebracht werden soll. Ein Dozent für Kunststofftechnik berichtet von einem kleinen, mittelständischen Spritzgussunternehmen, das sich auf die Herstellung von Airbagabdeckungen für die Automobilindustrie spezialisiert hat. Ein solides Geschäft, technisch anspruchsvoll, aber überschaubar. Bis eines Tages eine Nachricht aus Australien eintrifft, die alles infrage stellt.
Dort, am anderen Ende der Welt, öffnen sich Airbags ohne ersichtlichen Grund. Die Fahrzeuge sind intakt, die Sensorik scheint zu funktionieren – und doch lösen die Sicherheitssysteme aus, als wäre ein Unfall geschehen. Der Verdacht fällt schnell auf die Abdeckungen. Die Qualität der Fertigung wird angezweifelt, eine Rückrufaktion steht im Raum. Für das kleine Unternehmen wäre das ein finanzielles Desaster.
Weitreichende Folgen bei fehlerhafter Anforderungsdefinition
Was folgt, ist eine intensive Untersuchung. Und eine überraschende Erkenntnis: Es ist nicht die Produktion, die versagt hat, sondern die Umweltbedingungen. In Australien, wo die Sonne gnadenlos scheint, greifen die Menschen besonders häufig zur Sonnencreme. Und genau diese Cremes enthalten Inhaltsstoffe, die über die Zeit mit dem Kunststoff der Abdeckungen reagieren. Das Material wird weich, verliert seine Festigkeit – und die Airbags lösen aus. Doch das Unternehmen kann aufatmen: Die Resistenz gegen Sonnencreme war nie Teil des Lastenhefts. Eine Haftung besteht nicht.
Ob diese Geschichte wahr ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Doch zeigen uns auch reale Rückrufaktionen wie der weltweit bekannte Takata-Airbag-Skandal, wie weitreichend die Folgen sein können, wenn Anforderungen nicht vollständig erfasst oder dokumentiert werden: Millionen Fahrzeuge mussten zurückgerufen werden, weil fehlerhafte Gasgeneratoren lebensgefährliche Situationen verursachten. Auch andere Fälle – etwa mangelhafte Bremsanlagen, fehlerhafte Elektronikkomponenten oder Abfliegende Bleche wie bei den Tesla Cybertrucks – verdeutlichen, wie entscheidend eine lückenlose Dokumentation und Nachverfolgbarkeit technischer Anforderungen ist.
Den Unterschied zwischen einem beherrschten Risiko und einem existenzbedrohenden Imageschaden macht hier das Application Lifecycle Management, kurz ALM.
ALM-System ist Rückgrat eines strukturierten Entwicklungsprozesses
In der Welt der technischen Entwicklung ist nichts so gefährlich wie das Vertrauen auf Bauchgefühl. Produkte entstehen heute in einem komplexen Zusammenspiel aus Anforderungen, Normen, Tests und Dokumentation. Ein ALM-System ist dabei weit mehr als ein digitales Ablagesystem – es ist das Rückgrat eines strukturierten Entwicklungsprozesses.
Besonders in der Hardwareentwicklung, wo physikalische Eigenschaften, chemische Beständigkeit und regulatorische Vorgaben ineinandergreifen, bietet ein ALM-System die nötige Klarheit. Es begleitet ein Produkt von der ersten Idee über die Spezifikation und Konstruktion bis hin zur Validierung und Wartung. Dabei orientiert sich die Arbeit oft am sogenannten V-Modell – einem
Vorgehensmodell, das die Entwicklungsphasen mit den entsprechenden Prüf- und Testschritten verknüpft.
Man kann sich das V-Modell wie eine Brücke vorstellen: Auf der linken Seite werden Anforderungen definiert, Systeme entworfen und Komponenten spezifiziert. Auf der rechten Seite wird geprüft, ob diese Anforderungen erfüllt wurden – durch Integrationstests, Systemtests und Abnahmen. Das ALM-System bildet diese Brücke digital ab und sorgt dafür, dass kein Schritt verloren geht, keine Anforderung vergessen wird und jede Entscheidung nachvollziehbar bleibt. Skalierbare Lösungen wie ReqMan oder Codebeamer, die im Portfolio von Inneo verfügbar sind, bieten hier flexible und leistungsstarke Werkzeuge, um diese Prozesse effizient zu gestalten.
Warum saubere Dokumentationen und strukturiertes Vorgehen wichtig sind
Nehmen wir ein Beispiel aus der Realität: Ein Unternehmen entwickelt ein neues Gehäuse für ein Steuergerät, das in Fahrzeugen verbaut werden soll. Die Anforderungen sind klar – das Material muss extremen Temperaturen standhalten, UV-beständig sein und gegenüber Chemikalien wie Motoröl oder Bremsflüssigkeit resistent bleiben. Doch wie stellt man sicher, dass all diese Anforderungen nicht nur bedacht, sondern auch umgesetzt und geprüft werden?
Hier kommt das Zusammenspiel von V-Modell und ALM-System ins Spiel:
- Die Anforderungen werden zunächst systematisch erfasst, analysiert und in technische Spezifikationen überführt.
- Jeder dieser Schritte wird durch entsprechende Tests gespiegelt.
- Das ALM-System verknüpft die Anforderungen mit den Testfällen, dokumentiert Änderungen und macht die Ergebnisse transparent.
- So entsteht eine lückenlose Kette – von der Idee über die Umsetzung bis zur Validierung.
Und sollte später ein Problem auftreten, etwa durch ein Reinigungsmittel, das den Kunststoff angreift, kann das Unternehmen nachweisen: Diese Substanz war nie Teil der Spezifikation. Die Verantwortung liegt nicht beim Hersteller, sondern beim Auftraggeber oder Nutzer. Was wie ein bürokratischer Aufwand wirkt, wird im Ernstfall zur Lebensversicherung des Unternehmens.
Solange alles funktioniert, erscheint ein umfassendes Management oft als überflüssiger Ballast. Doch sobald etwas schiefläuft, zeigt sich, wie wertvoll eine saubere Dokumentation, eine klare Nachverfolgbarkeit und ein strukturiertes Vorgehen sind. Die Geschichte mit der Sonnencreme ist ein Sinnbild dafür: Ein scheinbar harmloser Einfluss kann eine Kette von Ereignissen auslösen, die bis zum finanziellen Ruin führen – wenn die Anforderungen nicht sauber dokumentiert sind.
ALM-Systeme schaffen Transparenz und schützen vor Blindflug
ALM-Systeme sind keine Bürokratiemonster. Sie sind Werkzeuge, die helfen, Komplexität zu beherrschen, Risiken zu erkennen und Qualität zu sichern. Sie schaffen Transparenz, ermöglichen Zusammenarbeit und schützen Unternehmen vor Blindflug. Wer sie ignoriert, verlässt sich auf Glück – und riskiert, dass eine harmlose Sonnencreme zur Ursache einer Katastrophe wird.